Magazin / Sacré Coeur Pressbaum
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GYMNASIUM 16. 5. 2002


Piotr Wilczek (8C)

Politisches Gerede

Rede, gehalten im Rahmen des Gruppenbewerbs des nö. Jugendredewettbewerbs am 22. April 2002 in St. Pölten sowie beim Schulredewettbewerb am 2. März 2002 im Theatersaal des Gymnasiums Sacré Coeur Pressbaum.


Sehr geehrte Jury, sehr geehrtes Publikum!


Was ist eigentlich Politik? Was hat es mit diesem so häufig verwendeten Fremdwort auf sich? Ist Politik etwas zu essen, oder etwas, womit man die leeren Seiten zwischen zwei Werbungen in einer Zeitung füllt?

Heutzutage ist Politik mehr Fremdwort als je zuvor. Ein ausdruckloses Etwas, um das sich Leute scharen, die genauso nichts sagend sind wie die Politik selber.

Die Politik ist ein Begriff, der nur noch Verwirrung verursacht, so wie "Linksrechts" oder "Variationskonstante".

Die Verwirrung, die durch Politik verursacht wird, scheint aber durchaus einen Sinn zu machen. Nehmen wir den zurzeit weltweit berühmtesten Politiker her. Einen Mann, der wissen muss, was Politik ist, einen Mann mit Durchblick, einen Mann mit einem Ziel, einen Mann, der als Kind mit dem Hammer Zylinder durch quadratische Öffnungen geschlagen hat: George W. Bush.

(Oder auch Dubaya, wie er liebevoll von seinen Fans genannt wird.)

Der erste Schritt, den man tun muss, um Dubaya und seine Politik zu verstehen, ist es, sich vor Augen zu halten, dass man ihn niemals, wirklich niemals verstehen wird.

Diese paradoxe Aussage werde ich ein wenig mit dem folgenden Beispiel erklären:

(Die nun folgenden Dubaya-Zitate, die im Original in englischer Sprache gemacht wurden, wurden für die sprachlich Unbegabten unter uns ins Deutsche übersetzt.)

Interviewer (Juan): Sie sagen, das sei allein die Sache der Menschen in South Carolina - als ob es keinen historischen Kontext gäbe, als ob Sie hier keine eigene Position hätten.

Bush: Juan, ich habe eine Position.

Interviewer: Ihre Position ist, es dem Volk zu überlassen.

Bush: Nein, nein. Meine Position ist, dass die Menschen in South Carolina dies entscheiden sollten. Ihnen mag meine Position nicht gefallen. Aber es ist eine Position. Und ich glaube nicht, dass diese Position auf Umfragen basiert. Ich lese die Umfragen überhaupt nicht. Aber ich vermute, wenn Sie sich genau ansehen, was die Menschen in diesem Staat wollen - sie wollen jemanden, der ihnen genau sagt, was ich geleistet habe, was meine Philosophie ist. Ich treffe keine Entscheidungen auf der Grundlage von Umfragen, Juan. Ich bin derjenige, der einen Steuersenkungsplan vorgelegt hat, der sich bewährt hat. Ich bin nicht der Kandidat, der, als es eng wurde, damit anfing, irgendwie am Steuersenkungsplan herumzudoktern.

Ach so!

(Kurze Unterbrechung zum Nachdenken.)

Hochinteressant ... Habt ihr etwas verstanden? Ich nicht. Wieso nicht? Weil dies nicht verstanden werden kann! Es ist genauso hoffnungslos, als würde man versuchen einen Pudding an die Wand zu nageln.

Diese Sisyphusarbeit haben auch die Gegner Bushs. Was sollen sie dagegen sagen? In dieser Aussage gibt es nichts, was man bei einem Gegenargument verwenden könnte.

Es ist ähnlich wie bei einer Schlammschlacht: Je flüssiger die Exkremente, mit denen man den Gegner bewirft, desto schwerer hat es der andere, sie zurückzuwerfen.

Bush verwendet die Politik nicht nur, um zu verwirren, er braucht sie genauso, um zu motivieren:

Bush: Wir sind ein großartige Nation. Wir sind eine entschlossene Nation. Wir sind eine Nation, die von Übeltätern nicht eingeschüchtert werden kann.

(16.09.2001 Interview zu den Reaktionen der Regierung auf die Terroranschläge auf das WTC)

Wow, Motivation pur. Wenn man das gehört hat, ist man sicher viel lieber Amerikaner als zuvor. Aber damit kann man genauso gut einen Österreicher motivieren

Wir sind eine großartige Nation. Wir sind eine entschlossene Nation. Wir sind eine Nation, die von Temelin nicht eingeschüchtert werden kann! 

Nach dem Motto: "Esst unseren Kot, wir nehmen Jod!"

Aber außer der Motivation gibt es noch mehr, nämlich Sicherheit:

Bush: Die Gouverneure und Bürgermeister sind auf der Hut vor den bösen Menschen, die dort draußen lauern.

(16.09.2001 Interview zu den Reaktionen der Regierung auf die Terroranschläge auf das WTC)

Jetzt wird man doch sagen: Was können die Gouverneure und Bürgermeister denn tun? Oh, die können einiges! (Nun wird auch einigermaßen klar, warum Arnold Schwarzenegger als Gouverneur kandidiert!) Man denke nur an den Bürgermeister von Gotham City, hinter dem Comissionar Gordon und hinter dem wiederum niemand anderer als Batman steht. Also, böse Menschen, nehmt euch in Acht!

Dubaya weiß wirklich, wie er mit seinen Feinden umzugehen hat, und er weiß auch, wie man dem Volk einen Krieg beizubringen hat.

Nach dem Start der Aktion gegen den Terror begeisterte Bush unter anderem mit folgenden Aussagen:

Bush: Zur gleichen Zeit werden die unterdrückten Menschen in Afghanistan die Großzügigkeit von Amerika und seinen Verbündeten kennen lernen. Während wir militärische Ziele angreifen, werden wir auch Nahrungsmittel, Medizin und Vorräte für die hungernden und leidenden Männer und Frauen und Kinder in Afghanistan abwerfen.

(07.10.2001 Fernsehansprache des Präsidenten an die Nation)

Na ist das nicht nett? Das ist ja kein Krieg mehr, das ist eine humanitäre Mission, und dagegen wird doch niemand was sagen!

Nach dem Motto "FEED & DESTROY".

Ist doch wahr, gegen einen abgemagerten Feind kann ja ein jeder kämpfen.

Dass die Lebensmittelpakete dieselbe Farbe hatten wie die herumliegenden Blindgänger, war zunächst ja nicht wirklich wichtig, sonst könnte man ja gleich Rattengift verwenden.

Aber auch hier muss man die Bevölkerung dazu animieren, dem Führer bei dieser humanitären Aktion zu folgen! Dies erreicht man am besten mit einem gezielten Druck auf die Tränendrüse:

Bush: Ich habe kürzlich einen Brief erhalten, der in diesen schweren Zeiten viel über den Zustand von Amerika aussagt – einen Brief von einer Viertklässlerin, deren Vater beim Militär ist. Sie schreibt: "So sehr ich möchte, dass mein Vater nicht kämpft, bin ich willens, ihn dir zu geben."

Oh, göttlicher Dubaya, ich bin es nicht würdig, dich zu kritisieren! Schaue gnädig auf mich empor! Füttere oder erschieß mich!

Ich möchte mich nicht über die psychische Verfassung dieses Mädchens äußern, allerdings liegt es nahe, dass sie gerade in der Pubertät ist und der Vater etwas dagegen hat, dass sie länger ausgeht. Ich habe nicht gewusst, dass auch Frauen einen Ödipuskomplex haben.

Egal was Bush macht, die Politik oder besser gesagt sein Gerede, sein politisches Gerede, hilft ihm, es durchzusetzen.

Das war ein Stückchen Politik. War sie das auch wirklich? War dieser Schwachsinn denn wirklich das, was man unter Politik versteht? Leider ja.

Der heutigen Bevölkerung ist das egal, gewählt wird der, der es schafft, die meisten Auftritte im ORF zu machen, und der, von dessen Aussagen man die wenigsten versteht. Super! 

So bleibt die Politik, wie sie ist: Stumpfsinnig, dämlich und hirntötend und trotzdem um einiges unterhaltender als alle deutschen Comedy-Stars zusammen.

Aber das ist nicht nur in Amerika so, auch in Österreich braucht man nur über die Saualpe zu schauen und schon findet man politischen Dilettantismus pur.

Aber warum bloß?

Warum haben Dilettanten denn so viel Macht?

Liegt es vielleicht an uns?

Haben diese Politiker unsere Hirne schon derart verflüssigt, dass wir uns komplett in ihrem Würgegriff befinden?

Ist der Stumpfsinn denn derart erstrebenswert, dass wir ihn mit allen Mitteln in politische Ämter hineinwählen müssen?

Ich hoffe nicht.

Ich hoffe, dass ihr Menschen seid, die wissen, was sie tun.

Ich hoffe, dass ihr Menschen seid, die wissen, was sie wollen.

Ich hoffe, dass ihr Menschen seid, die sich von Idioten nicht beeinflussen lassen.

Danke für die Aufmerksamkeit!


Siehe auch: Bericht zum Schulwettbewerb

 
www.sacre-coeur.org   16. 05. 2002