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GYMNASIUM 1. 7. 2001

"Global denken, lokal handeln" - Das Klimabündnis-Projekt der 6C

Projektbetreuer Herbert Keindl stellt in seinem spannenden Endbericht dar, was duch das heurige Klimabündnis-Projekt der 6C des Gymnasiums angedacht und angestoßen werden konnte.

Von Herbert Keindl

Bei der Klasse, die wir für dieses Projekt ausgewählt haben, handelt es sich um die Klasse 6C (Realgymnasium). Es handelt sich dabei um eine sehr dynamische Klasse, für die außerdem lehrplanmäßig der Schwerpunkt Ökologie vorgesehen ist.

Den Biologieunterricht leitet Fr. Prof. Mag. Renate Ott, ihr zur Seite Mag. Rudi Freimann. Diese leisteten auch im Rahmen des Biologieunterrichtes die Vorarbeiten zum thematischen Einstieg. Zur Demonstration von Ökosystemmodellen wurde ein kleines geschlossenes System angelegt.

Das "Ökosystem im Gurkenglas" war eine sehr anschauliche Überleitung zu unserem eigentlichen Thema. Es wurden sowohl die Interdependenzen als auch die Geschlossenheit sowie die Zerbrechlichkeit von Ökosystemen vermittelt.

Ökosystem im Gurkenglas: Interdependenzen, Geschlossenheit, Zerbrechlichkeit

Davon ausgehend begann die Betrachtung der globalen Situation. Den Schwerpunkt bildete das weltweite Klima und seine regionalen Auswirkungen.

Eine gründliche Meinungsbildungsphase fand statt. Bald mussten wir erkennen, dass oberflächliche Antworten nicht reichten. Referate wurden verteilt, sodass jeder Schüler einen Teilaspekt behandelte. Im Vordergrund stand vor allem die Frage, ob ein anthropogener Treibhauseffekt existiere.

Im Anschluss an die Referate fand eine Diskussionsphase statt. Relativ bald stellte sich heraus, dass über den Klimawandel und auch seine menschlichen Ursachen ein ziemlich breiter Konsens bestand. Die Vorstellung neuester Daten und Klimasimulationsmodelle anhand eines Videos des Max Planck Institutes für Meteorologie zerstreuten den Einwand, dass es sich nur um eine vorübergehende und zufällige "Wetteränderung" handeln könnte.

Wichtig war in dieser Phase, zwar die Probleme und Tatsachen nicht zu leugnen oder schönzufärben, aber sie auch nicht als so bedrohlich darzustellen, dass sie als erdrückend wirken konnten und somit zur Handlungsunfähigkeit führen würden.

Genau um das Handeln ging es jetzt nämlich im nächsten Abschnitt: Die Frage "Was tun wir nun mit unserem Wissen?" Zuerst sammelten und diskutierten wir ganz allgemein, was an Ansätzen spontan kam. Später dann die Strukturierung in "anders handeln" und "vermeiden". Massiv jetzt bei einigen der Diskutanten ein Ansatz zu einer rein technischen Lösung, z.B. Verkehr kann bleiben, aber auf Wasserstoff umgestellt. Durch Hinterfragen (konkret der Wasserstoffproduktion) und eine Analyse der Folgen wurde die Alleinlösung Technik relativiert.

Anhand des originellen Vorschlags der papierlosen Schule - Laptop ersetzt Hefte und Bücher, somit enorme Papier- und dadurch wieder Energieeinsparung - versuchten wir eine Energiebilanz aufzustellen. Der bei heutiger Technik eindeutige Primus blieb das Papier. (Erschwert wurde die Recherche dadurch, dass von der Computerindustrie keine Zahlen über die Produktionsenergiebilanz zu bekommen waren, während diese beim österreichischen Papierinstitut problemlos erhältlich waren.)

"Es muss sich vieles ändern, damit es bleiben kann, wie es ist", stand als Motto über unserem nächsten Treffen. Nachdem die Notwendigkeit von anderem Energieeinsatz und Energieeinsparung unbestritten war, nachdem wir Schlaglichter auf Raubbau am Tropenwald bei gleichzeitiger Missachtung heimischer Wald- und Landwirtschaftsressourcen blitzen ließen und wir lange Anfahrtswege den Versorgungsmöglichkeiten im Ort gegenüberstellten, stellte sich die Frage: Was tun in unserem unmittelbaren Lebens- und Arbeitsumfeld?

Heizung und Verkehr sind sicherlich in unserem Wirkungskreis die größten CO2-Emittenten. Das Thema Heizung war also gefunden. Was kann "ich" (als Schüler) dazu beitragen, dass in meinem Umfeld (Schule, zu Hause) Energie eingespart wird oder diese aus nachwachsenden Rohstoffen (möglichst aus der Region) erzeugt wird?

Wir bildeten drei Kategorien: Ohne Komfortverlust, leichter Komfortverlust, deutlicher Komfortverlust.

Brainstormingartig sammelten wir einmal alles, was uns zum Thema einfiel und ordneten es anschließend den oben genannten Kategorien zu. Dabei entspann sich gelegentlich eine heftige Diskussion, ob z.B. eine Raumtemperaturabsenkung immer ein Komfortverlust sein muss oder ob man sich dadurch vielleicht auch wohler, weil frischer, fühlt.

Jedenfalls fanden wir erstaunlich viele Möglichkeiten der Heizenergieeinsparung, die den ersten beiden Bereichen, also kein bis leichter Komfortverlust, zuzuordnen sind. Vom Haustechniker ließen wir uns über die bestehende Heizungsanlage informieren, die derzeitige Form der Regelung und die Probleme, die sich daraus ergeben, waren für unser Projekt besonders interessant. Es stellte sich nämlich heraus, dass es auch von Seiten der Haustechnik an die Schuladministration Wünsche und Anregungen gibt. Aufgrund der derzeit vorhandenen Zonenregelung wäre es sinnvoll, alle Samstagsklassen in einer"Heizzone" zusammenzufassen, da die Raumtemperatur in den anderen schon ab Freitag auf die niedrigere Wochenendnorm abgesenkt werden könnte, was zu beachtlichen Einsparungen bei minimalem einmaligen Organisationsaufwand führen würde.

Weiters war es dem Haustechniker ein Anliegen, das richtige Lüften ("Stoßlüften") sowie den richtigen Umgang mit Thermostatventilen zu vermitteln.

Weiters erfuhren wir, dass eine Teilerneuerung der Heizanlage geplant ist, bei der auch Sonnenkollektoren zur Brauchwassererwärmung ins Auge gefasst werden. Auch Biomasse als Heizmaterial ist aufgrund der Aufgeschlossenheit des Schulbetreibers im Gespräch. Interessant war dabei auch zu erfahren, dass beim Neubau der Turnhalle vor über 20 Jahren, damals bezüglich der Heizung, durch einen engagierten Architekten interessante, zukunftsweisende Lösungen angewandt wurden (Fußbodenheizung mit indirekter Solarerwärmung der Luft).

Wir beschlossen als Vermittler tätig zu werden. Einerseits den Lehrern im Rahmen der Konferenz und auch im Rahmen der Abschlussveranstaltung die Probleme rund ums Heizen nahe zu bringen und auf diese Weise ein geändertes Verhalten zu erreichen. Unter dem Schlagwort "Teacher teaching" versuchten einmal die Schüler die Belehrenden zu sein.

Auch die Änderung der Klassennutzung wurde in diesem Rahmen vorgeschlagen - natürlich erst mit kommendem Schuljahr.

Andererseits haben wir den Gedanken der solaren Brauchwasserbereitung weiter verfolgt. Dabei kamen wir zu dem interessanten Ergebnis, dass wir erfreulicherweise eine ausgesprochen atypische Schule sind. Bedingt durch Internats-, Kloster- und vor allem Sommercampbetrieb ist der Warmwasserbedarf im Sommer am größten - also genau in dem Zeitraum, in dem das Sonnenenergieangebot am größten ist, die konventionellen Heizkessel aber wegen der Teilauslastung im unwirtschaftlichsten Betriebzustand sind.

Das Dach der Sporthalle liegt sonneneinstrahlungsmäßig sehr günstig, eine Neugestaltung der Warmwasserversorgung ist im Gespräch - kurzum ideale Voraussetzungen, um einen großen Schritt in die Zukunft zu tun und dabei etwas gegen den uns bedrohenden Treibhauseffekt.

Um diese unsere Ideen zu fördern, baute ein Schüler ein Modell mit aufgesetzten Sonnenkollektoren, um die mögliche Ausgestaltung zu demonstrieren. Weiters konnten wir in Gesprächen Kontakte mit Solar- und Energieberatern vermitteln.

Schülerarbeit: Modell des Sacré-Coeur-Geländes

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung wird von uns ein von den Schülern gefertigtes, funktionstüchtiges, Kollektormodell präsentiert, das die Einfachheit und Wirksamkeit dieser Technik vorführt. Ein erster Probeeinsatz fand am Klimabündnistag in Wolfsgraben statt.

Schülerarbeit: Funktionstüchtiges Modell eines Sonnenkollektors

Auch bezüglich der Realisierbarkeit einer Hackschnitzelheizung, die natürlich für die Wertschöpfung aus der Region von großer Bedeutung wäre und auch als Initialzündung für ähnliche Projekte in unserem Raum dienen könnte, wurde nachgedacht.

All diese Bemühungen wurden von den Schülern mit großem Interesse und schnell wachsender Sachkenntnis mitgetragen und vorangetrieben. In Eigeninitiative kam es zu einem Interview mit einer Reporterin der NÖN.

Eine Pressegruppe aus Schülern bereitet die Herausgabe einer Zeitung vor.

Vier Schautafeln, die von allen Schülern gestaltet wurden, symbolisieren unseren Planeten unter verschiedenen Bedingungen.

  • Tafel 1 zeigt ihn unter den (noch) gegenwärtigen Atmosphärebedingungen.
  • Tafel 2 zeigt die Erde ohne die Wärmeregulation durch die Atmosphäre.
  • Tafel 3 zeigt die möglichen Veränderungen auf der Erde, wenn es zu einem massiven anthropogenen Treibhauseffekt kommt.
  • Tafel 4 symbolisiert das komplexe Faktorengefüge, welches man bei der Erstellung von Klimaprognosen berücksichtigen muss.

Mögliche Veränderungen durch einen massiven anthrophogenen Treibhauseffekt

Die Leuchtschrift "50%" an einer der Tafeln soll an das Ziel des Klimabündnisses, den CO2-Ausstoß zu halbieren, erinnern. Sie wurde von einer Arbeitsgruppe, in Zusammenarbeit mit einem Physiklehrer, aus Holz und grünen Leuchtdioden hergestellt. Angetrieben von einer Fotovoltaikzelle (akkugepuffert) soll sie auf diese weitere Art der Sonnenenergienutzung aufmerksam machen.

Zielvorstellung: Minus 50 Prozent CO2-Ausstoß!

Wir haben uns weit von unserem ursprünglichen Thema entfernt, um zu schauen, wo unser Platz für eine aktive Rolle sein könnte. In einem großen Bogen sind wir - um ein Schlagwort abzuwandeln - wieder zurückgekehrt zum lokalen Handeln vor Ort, nachdem wir global gedacht hatten.

Im Folgenden einige Fotos, die während des gemeinsamen Arbeitens von den Schülern aufgenommen wurden.

Herbert Keindl betreute das Klimabündnis-Projekt der 6C.

Link: Klimabündnis Österreich

 
www.sacre-coeur.org   01. 07. 2001