Magazin / Sacré Coeur Pressbaum
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30. Juni 2000

GYMNASIUM

MTB im WW

Wieder fanden sich einige unerschrockene Biker und begleiteten Prof. Richter über 100 km durch den Wienerwald. Dort wo im dunklen Tann die Schwerkraft unbarmherzig und trotz allem die Natur dein Freund ist, ritten wir auf unseren Bikes über neue Wege.
Von Gert Richter

Eigentlich begann es eher gemütlich. Mit bester Unterstützung durch die Organisation der Radwege im Wienerwald war die Streckenplanung wie die Auswahl eines guten  Essens aus einer reichhaltigen Speisekarte. Der Montag sah uns frisch und angriffslustig auf der Tour über die Pfalzau nach Wolfsgraben. Das Heimbautal und den Forstweg zurück zur B44 ließen wir es locker rollen. Erst der Anstieg zum Irenental steigerte Blutdruck und Schweißproduktion. Die Abfahrt vom Strohzogel ins Weidlingbachtal war der verdiente Abschluss der unsere Muskeln gerade richtig in Schwung brachte.

Dieser Schwung riss am Dienstag erst ab, als wir uns nach der Kaiserspitztour in Eichgraben den Berg hinaufarbeiteten. Auf der Verbindung nach Johannesberg hatten wir alle die optimale Betriebstemperatur erreicht. Nach dem kühlen Wald ging es jetzt hinaus über die sonnigen Felder. Eine Rast in Raipoltenbach und eine kurze Besinnung beim Marterl in Ludmerfeld waren uns vergönnt. Dann erreichten wir die Anstiege an der Westseite des Laabentales.

Nach 300 Höhenmetern hatten wir die Waldwiesen um Barbaraholz erreicht. Einzelne Bauernhöfe in absoluter Grünruhelage warteten aufgereiht am Weg. Kurze Waldstücke mit steinigen Steigungen und sagenhaft g'führigen Abgängen würzten die Fahrt bis zur Mittagsrast in der Luft. Die Wirtsleute unterbrachen extra für uns ihren Ruhetag. Ihre Fürsorge half uns, rasch unsere Lebensgeister wieder aufzubauen. Mir fiel das etwas schwerer, da ich wusste, was noch an Spezialitäten auf uns wartete.

 

Hoch über den Tälern des Voralpenlandes rollten wir dahin und freuten uns daran, dass wir diese Höhe aus eigener Kraft erreicht hatten. Zu früh gefreut. Ein harmloser Forstweg lockte uns am Stollberg in den Wald. Dann ging es 2km unerbittlich hinauf. Auf der Almwiese oben gabelte sich der Weg. Die alte Version hatte mich zwei Wochen zuvor über eine Weide mit einer Herde verspielter Jungkühe geführt. Im Prinzip mag ich die "Butterhirschen" mit ihren sanften Augen und weichen Schnauzen. Diese Kuhmädels jedoch waren mir entschieden zu aufdringlich gewesen. 

Im neuen Plan war der Weg anders eingezeichnet und wir traten hinein ins Ungewisse. Ein kurzer Poweranstieg trieb den Puls hinauf, dann gähnte vor uns,  garniert mit Steinen und Laub, ein steiler Hohlweg . Im strömenden Schweiß kam jeder sich selbst sehr nahe. Die Füße in den Boden gekrallt kämpften wir uns Schritt für Schritt aufwärts. Die Müdigkeit machte langsam dem Rhythmus aus Schnaufen, Pulsschlag und Treten Platz. Dabei kamen so manchem spontan Gedanken.

Jede Qual geht zu Ende und so belohnte uns der Berg mit einer erschütternden Downhilljagd über Stöcke und viele Steine. Wieder gab es etliche (be)merkenswerte Eingebungen, die ich gerne weiter reiche.

Norbert Lichtenstöger
Wenn ich jetzt nicht bremse, dann werde ich bald nicht mehr sein.

Pjotr Wilczek
Nach dem Baum geht es wieder hinunter,..ver§$%, doch nicht.

Georg Schütz
Ja, downhill. Nein, schon wieder das blöde Schild verpasst.

Alexander Pernegger
Wie viele Zehen braucht man zum Leben?

Von der Klammhöhe  rauschten wir noch ein erfrischendes Stück talwärts, bis uns der Forstweg zum Schöpfel für die restlichen 7km sanft aber beständig aufwärts trieb. Selbst hier hatten einige noch Lust auf eine steile Abkürzung. Gegenseitige Aufmunterungen lenkten von der eigenen Erschöpfung ab und ließen kleinere Schmerzen vergessen. Auch Alex überwand den Krieg mit seiner Zehe und so erreichten wir die Hütte als müdes und zufriedenes Team. Bei guter Verpflegung klang der Abend gemütlich aus. Das bequeme Lager  machte unsere Gebeine fit für die Abfahrt am Mittwoch.

Nach einer Besteigung der Warte ging es über Hochstraß zurück nach Pressbaum.

Als kleiner Test unserer Zusammenarbeit erwies sich Stefans luftleeres Hinterrad. Wieder zeigte sich beim Zusammentragen der Werkzeuge, dass der richtige Spaß an solchen Unternehmungen am besten im Team gedeiht.

In drei Tagen haben wir über 100 km der gut beschilderten Wienerwaldwege befahren. Jeder hatte Gelegenheit, an seine Grenzen zu gehen und ein wenig mehr über sich zu erfahren. Gemeinsam haben wir Freuden, Mühsames und auch Schmerzen geteilt (Radsattel made by M.Asochist&Co.) und ein schönes Stück Österreich naturverbunden erlebt.

Viel Spaß bei ähnlichen Touren!
Gert Richter

Gert Richter unterrichtet Mathematik, Physik und Informatik.

 
www.sacre-coeur.org   02. 11. 2000