Das Team
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Kurze Andacht
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Radträger
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Servus, Ebenwaldhöhe!
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Carry on!
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Gemeinsam
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An der Walster
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Ausklang
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Landkarte
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Von Gert Richter
Ein sonniger Juninachmittag in Kleinzell. Langsam werden die Schatten
länger. Nichts stört die Ruhe, bis auf ein leises Schnaufen aus
dreizehn Kehlen, das sich von Norden nähert. Dann ist es soweit, Räder
rollen, Bremsen quietschen, und wir erreichen den Hauptplatz von Kleinzell.
Die Hungrigen stürmen das Lebensmittelgeschäft, und die Müden
suchen sich einen Rastplatz. Dann blicken alle mit leicht ehrfürchtigen
Blicken hinauf Richtung Ebenwaldhöhe, wo am Ende einer 7km langen
Straße nach 550 Höhenmetern unser Abendquartier auf uns wartet.
Die ersten Serpentinen fahren wir auf Angriff, dann verstummen die
Gespräche, und so mancher hält Einkehr in seinem Inneren. Bei einigen
protestiert die Lunge gegen die ungewohnt sauerstoffreiche, nikotinarme Luft,
bei anderen machen die Beine darauf aufmerksam, daß wir seit 8 Uhr
im Sattel sitzen. Der Hengstl war gerade recht zum Aufwärmen. So richtig
in Dampf kamen wir beim Aufstieg auf den Schöpfl. Oben war allerdings
Fasten angesagt, da die Hütte Ruhetag hatte. Dem erhebenden Ausblick
von der Warte folgte der lauschige Kammweg zur Klammhöhe. Ein
sagenhafter Abgang führte uns schließlich Richtung Hainfeld und
zur Straße nach Kleinzell.
Langsam schrauben wir uns auf der engen Straße zum Ebenwaldhaus hinauf.
Puls und Atem haben im Takt zusammengefunden und wohltuend kommt der
Übergang von der Plage zur entrückten Tretmeditation. Jetzt krame
ich in mir alle Konditionsreste zusammen und schicke sie mit aufmunternden
Wünschen beinwärts. Stefan Fittner ist weit vor mir, tief unten
höre ich einige vertraute Stimmen. Für eine Weile sind wir
unter uns, der Berg und ich. Diese direkte Auseinandersetzung mit den
Hindernissen und Schönheiten der Natur fasziniert mich. Obwohl mir der
Schweiß von der Stirn tropft und etliche Bestandteile meines Körpers
schweren Protest einlegen, macht sich eine Euphorie breit, die alle Probleme
und verqueren Gedanken wegspült. Oben kommt dann der Übergang zum
Bergerlebnis in der erschöpften, aber glücklichen Gruppe mit ihrer
Ausgelassenheit. In all die Stimmungen mischt sich, nach dem Abendessen,
bei Sonnenuntergang auch eine tiefe Dankbarkeit für dieses Erlebnis.
Die Morgensonne findet uns bei der Überquerung der Reisalpenpfade. Bei
der Talfahrt nach Hohenberg haben sämtliche Schutzengel Hochbetrieb.
Der gepflegte Schotterweg lädt zu einem zünftigen Downhill ein,
und mein Verbandszeug findet den ersten Kunden. Der Bergübergang zum
Türnitzer Gebiet sorgt wieder einmal für angeregte Kreisläufe.
Schließlich enden alle gebahnten Wege, und wir schlagen uns auf einem
schmalen Pfad durch den Forst. Die Abfahrt auf der anderen Seite führt
uns geradewegs zu unserem Treffen mit den Fußwallfahrern. Martin ist
mit unserem Begleitfahrzeug auch schon da und hat ihnen geholfen, ihre
Mittagsrast zu organisieren. Damit hat er die Harmonie zwischen uns Radfahrern
und den Fußgängern wesentlich verbessert. Etliche Fußwallfahrer
hatten uns Radler bis dahin als "bequem" und einer Wallfahrt nicht würdig
eingestuft. Durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wollen wir dieses
Vorurteil auflösen. Unsere müden Bewegungen und erhitzten Gesichter
zeigen sicher auch, daß auch wir, genau wie die
Fußgänger, nur mit unseren Kräften diesen Weg
bewältigen. So sind wir spätestens am Annaberg eine große
Gruppe, die miteinander Andacht und G'schichtln der Wallfahrt teilen.
Die Tour bringt am letzten Tag noch einmal wundervolle Naturkontakte im
Walstertal (ausgenommen die Bodenprobe, die Christoph an der Wasserrinne
entnimmt), g'schmackige Buchteln und schließlich den gemeinsamen Einzug
in die Basilika. Drohendes Regenwetter verhindert danach die geplante
Rückfahrt über das Gscheid.
Bis heute weiß ich nicht, wer in der Wallfahrermesse Petrus um diesen
Regen gebeten hat. So mancher war am Ende seiner Kondition nicht traurig
über die Bahnfahrt. Außerdem versorgten die ÖBB mit ihrem
Nahverkehrs-Chaos einige als Draufgabe mit einer Nachtorientierungsfahrt.
P.S.: Bei der Vorbereitung der Strecke hatte ich von allen Grundbesitzern
die Durchfahrtserlaubnis eingeholt. Wer diese Tour fahren möchte, dem
helfe ich gerne mit Adressen, Telefonnummern und Tips. Bitte fahrt nicht
ohne vorherige Absprache! Zum einen ist es unangenehm, wegen Besitzstörung
angehalten und belangt zu werden. Zum anderen vermeidet man gefährliche
Wege. Auf dem Südhang der Hohenbergauffahrt wurden bei unserer Fahrt
Forstwege mit Sprengungen verbreitert. Der Tip des Verwalters, die Wege auf
dem Nordhang zu verwenden, hat uns etliche Probleme erspart.
Gert Richter unterrichtet Mathematik, Physik und Informatik |