Sacré Coeur Pressbaum M a g a z i n

14. 2., 26. 3. 1999
GYMNASIUM

Radwallfahrt nach Mariazell

 
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Das Team
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Kurze Andacht
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Radträger
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Servus, Ebenwaldhöhe!
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Carry on!
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Gemeinsam
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An der Walster
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Ausklang
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Landkarte
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Von Gert Richter

Ein sonniger Juninachmittag in Kleinzell. Langsam werden die Schatten länger. Nichts stört die Ruhe, bis auf ein leises Schnaufen aus dreizehn Kehlen, das sich von Norden nähert. Dann ist es soweit, Räder rollen, Bremsen quietschen, und wir erreichen den Hauptplatz von Kleinzell. Die Hungrigen stürmen das Lebensmittelgeschäft, und die Müden suchen sich einen Rastplatz. Dann blicken alle mit leicht ehrfürchtigen Blicken hinauf Richtung Ebenwaldhöhe, wo am Ende einer 7km langen Straße nach 550 Höhenmetern unser Abendquartier auf uns wartet. Die ersten Serpentinen fahren wir auf Angriff, dann verstummen die Gespräche, und so mancher hält Einkehr in seinem Inneren. Bei einigen protestiert die Lunge gegen die ungewohnt sauerstoffreiche, nikotinarme Luft, bei anderen machen die Beine darauf aufmerksam, daß wir seit 8 Uhr im Sattel sitzen. Der Hengstl war gerade recht zum Aufwärmen. So richtig in Dampf kamen wir beim Aufstieg auf den Schöpfl. Oben war allerdings Fasten angesagt, da die Hütte Ruhetag hatte. Dem erhebenden Ausblick von der Warte folgte der lauschige Kammweg zur Klammhöhe.  Ein sagenhafter Abgang führte uns schließlich Richtung Hainfeld und zur Straße nach Kleinzell.

Langsam schrauben wir uns auf der engen Straße zum Ebenwaldhaus hinauf. Puls und Atem haben im Takt zusammengefunden und wohltuend kommt der Übergang von der Plage zur entrückten Tretmeditation. Jetzt krame ich in mir alle Konditionsreste zusammen und schicke sie mit aufmunternden Wünschen beinwärts. Stefan Fittner ist weit vor mir, tief unten höre ich einige vertraute Stimmen. Für eine Weile sind wir unter uns, der Berg und ich.  Diese direkte Auseinandersetzung mit den Hindernissen und Schönheiten der Natur fasziniert mich. Obwohl mir der Schweiß von der Stirn tropft und etliche Bestandteile meines Körpers schweren Protest einlegen, macht sich eine Euphorie breit, die alle Probleme und verqueren Gedanken wegspült. Oben kommt dann der Übergang zum Bergerlebnis in der erschöpften, aber glücklichen Gruppe mit ihrer Ausgelassenheit. In all die Stimmungen mischt sich, nach dem Abendessen, bei Sonnenuntergang auch eine tiefe Dankbarkeit für dieses Erlebnis.

Die Morgensonne findet uns bei der Überquerung der Reisalpenpfade. Bei der Talfahrt nach Hohenberg haben sämtliche Schutzengel Hochbetrieb. Der gepflegte Schotterweg lädt zu einem zünftigen Downhill ein, und mein Verbandszeug findet den ersten Kunden. Der Bergübergang zum Türnitzer Gebiet sorgt wieder einmal für angeregte Kreisläufe.

Schließlich enden alle gebahnten Wege, und wir schlagen uns auf einem schmalen Pfad durch den Forst. Die Abfahrt auf der anderen Seite führt uns geradewegs zu unserem Treffen mit den Fußwallfahrern. Martin ist mit unserem Begleitfahrzeug auch schon da und hat ihnen geholfen, ihre Mittagsrast zu organisieren. Damit hat er die Harmonie zwischen uns Radfahrern und den Fußgängern wesentlich verbessert. Etliche Fußwallfahrer hatten uns Radler bis dahin als "bequem" und einer Wallfahrt nicht würdig eingestuft. Durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wollen wir dieses Vorurteil auflösen. Unsere müden Bewegungen und erhitzten Gesichter zeigen sicher auch, daß auch wir, genau wie die Fußgänger, nur mit unseren Kräften diesen Weg bewältigen. So sind wir spätestens am Annaberg eine große Gruppe, die miteinander Andacht und G'schichtln der Wallfahrt teilen.

Die Tour bringt am letzten Tag noch einmal wundervolle Naturkontakte im Walstertal (ausgenommen die Bodenprobe, die Christoph an der Wasserrinne entnimmt), g'schmackige Buchteln und schließlich den gemeinsamen Einzug in die Basilika. Drohendes Regenwetter verhindert danach die geplante Rückfahrt über das Gscheid.

Bis heute weiß ich nicht, wer in der Wallfahrermesse Petrus um diesen Regen gebeten hat. So mancher war am Ende seiner Kondition nicht traurig über die Bahnfahrt. Außerdem versorgten die ÖBB mit ihrem Nahverkehrs-Chaos einige als Draufgabe mit einer Nachtorientierungsfahrt.

P.S.: Bei der Vorbereitung der Strecke hatte ich von allen Grundbesitzern die Durchfahrtserlaubnis eingeholt. Wer diese Tour fahren möchte, dem helfe ich gerne mit Adressen, Telefonnummern und Tips. Bitte fahrt nicht ohne vorherige Absprache! Zum einen ist es unangenehm, wegen Besitzstörung angehalten und belangt zu werden. Zum anderen vermeidet man gefährliche Wege. Auf dem Südhang der Hohenbergauffahrt wurden bei unserer Fahrt Forstwege mit Sprengungen verbreitert. Der Tip des Verwalters, die Wege auf dem Nordhang zu verwenden, hat uns etliche Probleme erspart.

Gert Richter unterrichtet Mathematik, Physik und Informatik