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Im Gymnasium in Pressbaum
werden hochbegabte Schüler im Klassenverband gefördert
Von Werner Windhager
Begabte Schüler haben es oft nicht leicht. Gerade sie, die eigentlich
durchwegs gute Noten nach Hause bringen sollten, haben bei Schularbeiten
und Tests Probleme. "Hochbegabte fallen häufig durch schwache Leistungen
auf", sagt die Lehrerin Beate
Gossenreiter-Bugelnig. Sie würden sich bei einer Aufgabenstellung
zwar gleich auskennen, "dadurch wollen sie das aber nicht mehr lernen." Die
Lehrerin für Französisch und Englisch am Sacre-Coeur in Pressbaum
ist spezialisiert im Erkennen hochbegabter Schüler. Mit ihrem Kollegen
Gert Richter absolviert sie einen
Talentförderkurs, den das Pädagogische Institut Niederösterreich
zusammen mit der holländischen Universität Nimwegen (dem
europäischen Zentrum für Begabtenförderung) veranstaltet.
"Unsere Projekte sind vor allem für die Schüler gedacht, die unter
ihrer Hochbegabung leiden", sagt Richter. Denn gerade die Begabung mancher
Kinder mache sie zu Außenseitern im Klassenverband. "Sprachlich begabte
Kinder in der Unterstufe verfügen oft über einen Wortschatz, den
ihre Mitschüler nicht verstehen", so Richter. Dieser Umstand brachte
ihn auf die Idee, ein Projekt für die ganze Klasse zu entwickeln. "Wir
haben Gesellschaftsspiele wie Activity, Trivial Pursuit und Tabu gespielt",
sagt Richter. Alles Spiele, bei denen die Schüler im Team Begriffe
erklären müssen - und zwar so, dass es die anderen auch verstehen.
Was einerseits Spaß gemacht und andererseits das Klima unter den
Schülern verbessert hat. Förderung heißt aber nicht bloß
Spaß und Spiel. "Wir haben zum Beispiel aus Holland das sogenannte
Drehtür-Modell übernommen", sagt Gossenreiter-Bugelnig. Bei diesem
Modell können die Schüler den Regel-Unterricht verlassen, um an
eigenen Projekten zu arbeiten. Was aber nicht bedeutet, dass sie sich dadurch
eine Freistunde heraus schinden können. "Sie müssen mit einem Protokoll
belegen, was sie in dieser Zeit gemacht haben", so die Lehrerin. Der Versuch
sei äußerst erfolgreich gewesen. Denn die Schüler hätten
sich nicht nur mit ihren Projekten beschäftigt, sondern sich auch
gleichzeitig um den dadurch versäumten Stoff gekümmert. Noch beruhen
die Talentförderkurse auf dem Interesse der Lehrer für dieses Thema.
"Es wäre aber durchaus sinnvoll, diese Förderung in die
Lehrerausbildung aufzunehmen", sind beide Pädagogen überzeugt. |