Sacré Coeur Pressbaum M a g a z i n

31. Oktober 1999 - wil
KURIER, 25. Oktober 1999, S. 20

Talentförderung mit Drehtür und Gesellschaftsspielen

 
Im Gymnasium in Pressbaum werden hochbegabte Schüler im Klassenverband gefördert
Von Werner Windhager

Begabte Schüler haben es oft nicht leicht. Gerade sie, die eigentlich durchwegs gute Noten nach Hause bringen sollten, haben bei Schularbeiten und Tests Probleme. "Hochbegabte fallen häufig durch schwache Leistungen auf", sagt die Lehrerin Beate Gossenreiter-Bugelnig. Sie würden sich bei einer Aufgabenstellung zwar gleich auskennen, "dadurch wollen sie das aber nicht mehr lernen." Die Lehrerin für Französisch und Englisch am Sacre-Coeur in Pressbaum ist spezialisiert im Erkennen hochbegabter Schüler. Mit ihrem Kollegen Gert Richter absolviert sie einen Talentförderkurs, den das Pädagogische Institut Niederösterreich zusammen mit der holländischen Universität Nimwegen (dem europäischen Zentrum für Begabtenförderung) veranstaltet. "Unsere Projekte sind vor allem für die Schüler gedacht, die unter ihrer Hochbegabung leiden", sagt Richter. Denn gerade die Begabung mancher Kinder mache sie zu Außenseitern im Klassenverband. "Sprachlich begabte Kinder in der Unterstufe verfügen oft über einen Wortschatz, den ihre Mitschüler nicht verstehen", so Richter. Dieser Umstand brachte ihn auf die Idee, ein Projekt für die ganze Klasse zu entwickeln. "Wir haben Gesellschaftsspiele wie Activity, Trivial Pursuit und Tabu gespielt", sagt Richter. Alles Spiele, bei denen die Schüler im Team Begriffe erklären müssen - und zwar so, dass es die anderen auch verstehen. Was einerseits Spaß gemacht und andererseits das Klima unter den Schülern verbessert hat. Förderung heißt aber nicht bloß Spaß und Spiel. "Wir haben zum Beispiel aus Holland das sogenannte Drehtür-Modell übernommen", sagt Gossenreiter-Bugelnig. Bei diesem Modell können die Schüler den Regel-Unterricht verlassen, um an eigenen Projekten zu arbeiten. Was aber nicht bedeutet, dass sie sich dadurch eine Freistunde heraus schinden können. "Sie müssen mit einem Protokoll belegen, was sie in dieser Zeit gemacht haben", so die Lehrerin. Der Versuch sei äußerst erfolgreich gewesen. Denn die Schüler hätten sich nicht nur mit ihren Projekten beschäftigt, sondern sich auch gleichzeitig um den dadurch versäumten Stoff gekümmert. Noch beruhen die Talentförderkurse auf dem Interesse der Lehrer für dieses Thema. "Es wäre aber durchaus sinnvoll, diese Förderung in die Lehrerausbildung aufzunehmen", sind beide Pädagogen überzeugt.