| Sacré Coeur Pressbaum |
| 1. Mai 1999 | |||
| GYMNASIUM
Was tun mit Brandstiftern? |
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| Am 30. April fand die Premiere von Max Frisch'
"Biedermann und die Brandstifter" im Kellertheater des Sacré Coeur
Pressbaum statt. Die sehr unterhaltsame Inszenierung von Otto Fritz hat sich
viele Zuschauer verdient! Von Josef Willinger Dr. Fritz Schödl, beruflich Chirurg am Meidlinger Unfallkrankenhaus, gibt einen Biedermann, der kaum einen Fingerbreit Platz läßt zwischen Rücksichtslosigkeit und hilfloser Menschlichkeit, zwischen schonungsloser Einsicht in seine Lage und ganz unangebrachtem, naivem Glauben an das vordergründig Gute. Eine Figur, die mit dieser Situation nur so umgehen zu können scheint, daß sie wortreich nichts tut. Eine Figur, die alles so denkt, daß sie nichts tun muß. Nichts. Ein ehemaliger Mitarbeiter seiner Firma begeht Selbstmord deshalb. Und die charmant-widerliche Artistin Schmitz kann ungehindert die Katastrophe auf den Weg bringen, weil Biedermann durch Nichtstun seine Menschlichkeit beweisen zu können glaubt. Das Gute kann nicht dadurch befördert werden, daß man sich bemüht, einfach das Böse nicht zu tun. Es ist schwer, dabei nicht an den Kosovo-Konflikt zu denken. Max Frisch' Stück erweist sich als zeitloser Entwurf. Marion Baier (1996) verleiht diesem verbrecherischen Eindringling einen unverwechselbaren Charakter. In ihrem Spiel wird die Lüge glaubhaft. Der Zuschauer erlebt Durchsichtigkeit und Effizienz der perfiden Strategie am eigenen Leib. Der Eisenring bot eine Kostprobe Bartonschen Humors. Es sei allen Lesern empfohlen, den Werk- und Psychologieprofessor bei Gelegenheit darum zu bitten, das "Siehst du! Hab ich's dir nicht gesagt?" zu wiederholen, das er vorwurfsvoll der Artistin Schmitz an den Kopf wirft, als ihr Biedermann, die Lunte riechend, Vorwürfe macht. Indem Matthias Barton als Eisenring die Wahrheit sagt, wird sie dem Publikum zum Kabarett. Und Biedermann bleibt konsequent - und tut nichts. Die Wahrheit ist eben die beste Verstellung, nach Humor und Sentimentalität, sagt Eisenring ganz offen. Köstlich in der kleinen, aber feinen Rolle des Dienstmädchens: Veronika Mandl (6A). Birgit Dibl (7B) spielte die Babette als gehorsame Ehefrau, die außerstande ist, die Tatenlosigkeit Biedermanns auf seinen Befehl hin zu kompensieren. So hätte man über der Aufführung fast vergessen können, daß man Schultheater beiwohnt, wäre da nicht der von Frisch aus dem antiken Drama übernommene Chor gewesen. Schülerinnen der Unterstufe brachten in ihren leichten Schwächen die ganze Liebenswürdigkeit solcher Aufführungen mit ins Spiel. Otto Fritz inszenierte gekonnt und routiniert. Er beließ den Darstellern ihre Eigenart und formte doch ein einheitliches Ensemble. Die Aufführung setzte auf Witz und Unterhaltung, ohne dem Stück seine inhaltliche Tiefe zu nehmen. Gibt es überhaupt einen AHS-Lehrer in Österreich, der in den letzten 18 Jahren mehr als 30 Produktionen auf die Bühne gebracht hat? Eine unvergleichliche Leistung! Frau Dir. Zeller erwies sich einmal mehr als guter Geist des Hauses und überreichte nach der gelungenen Premiere an alle Mitwirkenden Blumen. Josef Willinger unterrichtet Deutsch und Psychologie & Philosophie
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